Wann kommt endlich die Queen Mary?

IT-Steps24 nutzt viel Open Source Software - und revanchiert sich mit einem kostenlosen Onlinedienst.

Schiffe gucken hat in Hamburg Tradition. Ist ja auch was Nettes, an einem schönen Herbsttag die Elbe ein Stück entlangzuwandern und Container-Riesen zu bewundern. Einziger Wermutstropfen: Bis vor eineinhalb Jahren wusste der Laie nie, was wann wo entlangschipperte – man musste auf sein Glück vertrauen. Das hat sich geändert – mit Hafenradar.de. Die Seite (die es auch als App für iPhone und iPad gibt) zeigt nicht nur die aktuelle Position aller Schiffe, die sich dem Hamburger Hafen nähern oder ihn verlassen: Mit einem Klick auf das Schiffssymbol werden zusätzliche Informationen über Geschwindigkeit, Zielhafen und Schiffstyp angezeigt. Zusätzlich werden für eine Vielzahl von Schiffen weitere Einzelheiten angegeben: die Geschichte, die Reederei- und zahlreiche Schiffsfotos gibt es natürlich auch.

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Betreiber der Seite ist das Unternehmen IT-Steps24 mit Sitz in Hamburg-Bahrenfeld. Der Webserver, über den die Anfragen an Hafenradar.de laufen, steht bei MCS. Die Zahl der Besuche liegt zwischen 1.000 und 1.500 am Tag, sagt Geschäftsführer Thorsten Maeke, an Spitzentagen wie beim Hafengeburtstag haben wir schon 10.000 erreicht. Maeke und MCS kennen sich seit vielen Jahren – vom Hamburger Schiffsmeldedienst. Bis zum Jahr 2000 waren mein Kollege Thomas Wahlers und ich dort für die IT verantwortlich – als Angestellte, sagt Thorsten Maeke. Dann haben wir uns selbstständig gemacht. Bei der Entwicklung der AIS-Schnittstelle griff die IT-Steps24 GmbH auf das Know-how von MCS zurück – weil wir mit diesem Unternehmen immer nur gute Erfahrungen gemacht haben.

Die Kernkompetenz von IT-Steps24 liegt bei der Entwicklung und Programmierung von Webseiten – und in allem,was mit dem Internet zu tun hat. Zehn Mitarbeiter sind für Kunden wie den Deutschen Verkehrsverlag, den Germanischen Lloyd, das Deutsche Milchkontor– und nach wie vor für den Hamburger Schiffsmeldedienst tätig.

Die Nutzung von Hafenradar.de ist kostenlos. Maeke: Wir arbeiten im Alltag überwiegend mit kostenloser Open-Source-Software – und mit Hafenradar.de wollen wir der Allgemeinheit ein Stück dieser Grundidee zurückgeben. Das Betreiben der Seite kostet natürlich Geld– und so sucht Thorsten Maeke weitere Sponsoren für seine Seite, die sich zurzeit gerade so trägt. Übrigens zeigt Hafenradar.de nicht nur Schiffspositionen in und um Hamburg an – die Seite agiert weltweit: Insgesamt sind 334 Häfen abrufbar, von Playa del Carmen in Mexiko über Tokio bis Sankt Petersburg.

Wie funktioniert Hafenradar.de?

Thorsten Maeke: Jedes Schiff ist mit einem sogenannten AIS-Sender ausgerüstet, der ähnlich wie eine Blackbox in Flugzeugen funktioniert. AIS dient der Kollisionsverhütung zwischen Schiffen. Auf einer elektronischen Karte wird die eigene Schiffsposition und der Standort umliegender Schiffe angezeigt. Aus Position, Fahrtrichtung und Geschwindigkeit kann erkannt werden, ob der eigene Kurs sicher ist oder ob Kollisionsgefahr besteht. Auch die Schiffsdaten werden übermittelt – und das macht sich Hafenradar.de zunutze. Das Ganze basiert dabei auf Google Maps. Die Schiffe werden als kleine Icons dargestellt und sind je nach Schiffstyp unterschiedlich gefärbt.

Wir beschränken uns bei Hafenradar.de auf die rein touristischen Aspekte, sagt Thorsten Maeke, dessen Daten übrigens auch von einer Hamburger Institution genutzt wird: von der Schiffsbegrüßungsanlage in Schulau. In der Alltagsarbeit hat IT-Steps24 übrigens auch noch mit einem anderen Verkehrsmittel zu tun: mit der Eisenbahn. Thorsten Maeke: Für den Deutschen Verkehrsverlag haben wir die Community railwaygazette.com entwickelt, die sich zur führenden Seite in diesem Bereich weltweit entwickelt hat.