Per Handy die Fahrer der Cyclassics verfolgen

Durch ein intelligentes Testverfahren und Loadbalanced-Hosting am Renntag ermöglichte MCS, dass Radsportfans auf ihren Smartphones den Fahrern live via GPS-Tracking auf der Spur bleiben konnten.

Anfang August erhielt der MCS-Software-Experte Nico Tillmann einen nicht alltäglichen Auftrag: Bitte für eine App zu den Vattenfall Cyclassics einen Lasttest entwickeln, durchführen und auswerten sowie das Hosting für den Veranstaltungstag einrichten. Das Rennen fand in zwei Wochen statt. Zwei Wochen? Nico Tillmann atmete erst einmal tief durch. So viel Zeit bleibt ihm selten, um ein Projekt auf die Beine zu stellen. Die Vattenfall Cyclassics in Hamburg sind Deutschlands wichtigstes Radrennen, dies wusste er. Der Rest war schnell recherchiert: Die Veranstaltung findet seit 1996 statt, ist das einzige Profi-Radrennen der höchsten Kategorie in Deutschland und sollte am 19. August ausgetragen werden. Neben den 18 besten Radteams der Welt würden auch rund 22.000 Hobbyfahrer Strecken von 55, 100 oder 155 km bewältigen. Die Profis legen rund 250 km zurück. Bis zu 800.000 Zuschauer verfolgen gewöhnlich das Geschehen vom Straßenrand aus.

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Für das Rennen 2012 hatte die E.H.S. Hamburger Satz Druck GmbH eine App entwickelt, die nicht nur alle News und die Streckenkarten liefern würde. Sie sollte auch während des Rennens in Echtzeit die Streckenpositionen aller Fahrer anzeigen, die die App auf ihrem iPhone oder Android-Smartphone aktiviert haben. Außerdem könne die App nach den Zielankünften alle Ergebnisse darstellen. E.H.S. ist seit 15 Jahren im Online-Geschäft tätig und verfügt über Erfahrung mit GPS-Tracking, weshalb die Cyclassics-Agentur Upsolut die Firma für diese Aufgabe auswählte.

E.H.S. wiederum vertraut MCS. Deren Experten bekommen immer eine Lösung hin, sagt Lars Reschke, leitender Angestellter bei ehsmedia.de. EHS hatte die Sorge, selbst kein Hosting für den Renntag garantieren zu können. Deshalb wandten sie sich an MCS. Wir haben von Anfang an gespürt, dass es bei MCS um mehr ging, als einfach nur einen Auftrag abzuarbeiten, erinnert sich Lars Reschke.

Aufgabe

Die Aufgabe für MCS bestand zunächst darin, ein Testszenario zu entwerfen. Und um hierfür möglichst realistische Rahmendaten zu generieren, musste eine Code-Review und eine Code-Analyse durchgeführt werden. Das war keine Routine, sagt Nico Tillmann. Deshalb zog er Jens Schliephacke, Teamleiter Software-Entwicklung und Experte für Lasttests mit dem Test-Tool jmeter, zu Rate. Sie entschieden, den Renntag mit 8 Rechnern für jeweils 60 Fahrer sowie 120 Fans und mit sekündlichen Abfragen zu simulieren. In einem zehnminütigen Test fragten somit jede Sekunde 960 User (8 x 120) von 480 Fahrern (8 x 60) die Positionsdaten ab, die wiederum alle 30 Sekunden aktualisiert wurden. Ein Test von nur zehn Minuten Dauer? Kein Problem, versichert Tillmann und rechnet vor: Damit ergab sich für den Ernstfall eine Prognosebasis von 14.400 Fahrern (30 x 480) und 28.800 Fans (30 x 960).

Mehr als genug, denn E.H.S. kalkulierte mit maximal 6.000 Fahrern und 12.000 Online-Verfolgern. Der Test verlief ohne nennenswerte Probleme.

Am Renntag stand im ­Hamburger MCS-Sitz ein Webcluster mit fünf Frontend-Knoten-Servern plus einer Hochperformance-Datenbank bereit. Die Fahrerdaten wurden im Hauptspeicher abgelegt, damit sie schnell verfügbar ­waren. Auch Nico Tillmann stand bereit. Er hätte aber auch mitradeln können, denn das System arbeitete einwandfrei. Sogar in der Zeit zwischen 7.30 und 9.00 Uhr, als die größte Last zu bewältigen war.

Weil die meisten Teilnehmer nur die 55-km-Strecke fahren, die in dieser Zeit absolviert wurde, erklärt Lars Reschke. Am Ende rollten fast 5.000 Fahrer mit aktivierter App über die Ziellinie – rund 11.000 Zuschauer hatten ihren Weg verfolgt. Vielleicht aktualisieren wir die Posi­tionsdaten in Zukunft sogar alle zehn Se­kunden, sagt Lars Reschke, der auch nie mit Problemen gerechnet hatte. Wir fühlten uns sicher, dass alles funktioniert. Das einzige Problem bleiben die Regeln des Radsportfahrerverbandes UCI: Die Profi-Fahrer dürfen keine Handys mit sich führen. Offenbar, um Stallorder auszuschließen, vermutet Lars Reschke. Die Cyclassics-App bleibt somit den Amateuren vorbehalten. Damit haben sie wenigstens in einer Hinsicht gegenüber den Profis die Nase vorn.