Den Genen auf der Spur

Das Institut für Tierzucht und Vererbungsforschung an der Tierärztlichen Hochschule Hannover erforscht Krankheiten bei Nutz- und Haustieren.

Für Laien gibt es immer wieder Begriffe, mit denen sie beim besten Willen nichts anzufangen wissen. Oder haben Sie schon einmal von der Labmagenverlagerung bei Milchkühen gehört? Wenn Sie kein Landwirt sind oder Tierarzt, sicher nicht. Dabei kann diese harmlos klingende Erscheinung zum Tode führen. Und selbst wenn der Exitus vermieden werden kann, büßen Milchkühe nach einer Operation an ihrem verlagerten Labmagen bis zu 50 % Milchleistung ein.

TIHO_940px

Die Anlage zur Labmagenverlagerung ist erblich. Und hier setzen die Wissenschaftler vom Institut für Tierzucht und Vererbungsforschung an der Tierärztlichen Hochschule Hannover an – durch Genforschung. Professor Dr. Ottmar Distl, Leiter  des Instituts seit 1997 und Chef von acht wissenschaftlichen Mitarbeitern: Wir suchen die Gene, die für die Labmagenverlagerung verantwortlich sind. Sind sie gefunden, können wir einen entsprechenden Gentest entwickeln. Vorteil für den Züchter: Er kann durch diesen Gentest künftig ganz gezielt die Kälber aus der Zucht heraushalten, die die entsprechende Veranlagung besitzen. Noch ist das Team von Professor Distl auf der Suche – aber der Chef ist optimistisch, dass in den nächsten Monaten der Durchbruch gelingt. Übrigens: Für einen Gentest reicht eine Blutprobe des  entsprechenden Tieres.

Wesentlich weiter ist man bei der Erforschung einer Gelenkerkrankung, die häufig Reitpferde befällt. Professor Distl: Hier wissen wir seit ein paar Wochen, welche Gene verantwortlich sind, und haben einen entsprechenden Gentest entwickelt. Mit einer Veröffentlichung der Forschungsergebnisse in den einschlägigen Fachpublikationen wird in diesen Tagen gerechnet.

Technisch ist das Institut in Hannover hervorragend ausgestattet. Neben den typischen Laborgeräten, die man für die Genforschung benötigt – erwähnt sei hier nur die Sequenzierungsmaschine für DNA-Analysen –, spielen leistungsstarke Rechner eine immer wichtigere Rolle. Professor Distl: Ohne sie könnten wir unsere Ergebnisse gar nicht analysieren. Entsprechend schwierig gestaltet sich die Mitarbeitersuche. Prof. Distl, selbst studierter Tiermedizinier und gelernter Programmierer: Doktoranden müssen künftig zweigleisig arbeiten – aber leider haben Biologen und Tiermediziner oft noch keine Lust dazu. Für sie zählt allein das Labor. Dabei wird man dort künftig weniger Zeit verbringen als am Rechner.

Weitere Informationen über das Institut für Tierzucht und Verrbungsforschung